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Der Mensch und seine Rechte
Philosophie setzt Maßstäbe für politisches Handeln

Schnell war die erste Veranstaltung aus der Reihe „Philosophier-Lust“ ausverkauft, die jetzt im Städtischen Museum Herford nach coronabedingter Pause wieder starten konnte. Thematisch angebunden an die aktuelle Sonderausstellung „Bildergeschichten: Der Nahe Osten und wir“, die noch bis zum 9.Ausgust zu sehen ist, stand der Abend unter dem Motto „Der Mensch und seine Rechte“.

Das Foto zeigt Michael Girke mit Klaus Peter Raillard vor Fotografien von Katharina Eglau.

Das Foto zeigt Michael Girke mit Klaus Peter Raillard vor Fotografien von Katharina Eglau.

 

Gleich zu Beginn betonte Michael Girke, der Dozent der Philosophie-Reihe, wie sehr das gewählte Thema in der Reihe heraussticht, da das Denken, die Philosophie, in diesem Fall nicht nur als Reflexion zu einem Thema anzusehen ist, sondern das Recht und die Politik seit Jahrhunderten prägt und damit Maßstäbe für unser aller Zusammenleben setzt. In seiner Rückschau auf die Ursprünge und Quellen unseres Verständnisses von individuellen Rechten und einem von ihnen geprägten Umgang mit einander nahm er die Teilnehmer anschließend mit auf eine Reise, die bis zu der mehr als 2500 Jahre alten ägyptischen Weisheitsliteratur zurück reichte. Sie führte über die kirchlich geprägten Vorstellungen des Mittelalters, die Revolutionen des 18. und 19. Jahrhunderts bis zu der Gründung der Vereinten Nationen und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte im Jahr 1948. Wie weit es von dieser Erklärung über die Ratifizierung bis zur tatsächlichen Umsetzung und Verwirklichung der Menschenrechte wie wir sie heute verstehen, war und ist, lässt sich an zahlreichen Konflikten in der Welt ablesen und auch an einigen Fotos der Ausstellung, in der die Veranstaltung stattfand, deutlich.

Die Idee der Menschenrechte, so zeigte sich bei diesem Rundumblick, ist eine, die stark von der jeweiligen Zeit geprägt ist, in der sie diskutiert wird. Dies wurde auch in der Unterhaltung Girkes mit dem für den Abend geladenen Gesprächsgast, Klaus Peter Raillard von Amnesty International Herford sichtbar. Raillard betonte, der wichtigste Fortschritt für die Idee allgemein gültiger Menschenrechte sei die Erklärung und Kodifizierung der Rechte, denn dadurch sei ein anderes Bewusstsein für ihre Bedeutung und Tragweite entstanden. Nicht zu vergessen sei, dass auch außerhalb der europäischen Tradition liegende Quellen vorhanden sind und sich die Menschenrechte zudem ständig entwickeln und verändern. Letzteres wird vor allem deutlich, wenn sich der Blick auf die Entwicklungen in der Informationstechnologie richtet und das Recht auf die Verwendung der eigenen Daten in den Fokus rückt.

In der abschließenden offenen Gesprächsrunde mit den Teilnehmenden wurden weit reichende Fragen nach der Begründung der für uns heute scheinbar selbstverständlichen Rechte angesprochen. Was gibt vor, was Menschlichkeit ist, wie das eigene Verhalten gegenüber dem Anderen sein soll? Die Religion, wie im Mittelalter? Die Vernunft, wie zur Zeit der Aufklärung oder der Wunsch nach Frieden wie 1948? Wie gehen wir selbst mit konkurrierenden Vorstellungen von Rechten um? Und wie stehen wir zu der Frage, ob es legitim ist, Kriege zu führen – und damit Menschenrechte zu verletzen -, um am Ende Menschenrechte durchzusetzen?


Der nächste Termin der „Philosophierlust“ im Museum findet am 30. Juli unter dem Stichwort „Heimat“ statt. Auch diese Veranstaltung ist bereits ausgebucht.