Erfolgreicher Start von Philosophier-Lust online

Den Museumsschließungen im Zuge der Corona-Pandemie ist bisher auch die Philosophier-Lust-Reihe im Städtischen Museum zum Opfer gefallen. Die Kooperationspartner VHS und Museum schafften Abhilfe und boten einen ersten philosophische Abend am 28. Januar online an, gesendet aus dem Städtischen Museum an. Das Thema wurde der aktuellen Situation und dem Wunsch aus dem Kreis der Teilnehmenden folgend gewählt und hatte besondere Brisanz: Es ging um den Nutzen und die Last der Freiheit.


Dozent Michael Girke stellte in seiner Einführung sowohl aktuelle Positionen von Künstlern und Philosophen als auch die Genese unseres heutigen Begriffs von Freiheit vor. Dass diese Freiheit nicht absolut ist, sondern sowohl durch physische Gesetze als auch durch familiäre, kulturelle und politische Übereinkünfte begrenzt wird, schränkt die Freiheit aus philosophischer Sicht nicht ein. Hier wird Freiheit gemeinhin seit Immanuel Kant als Freiheit von Zwang definiert, dass also Menschen sich frei entscheiden können, wobei ihr Wissen als Handlungs- und Entscheidungsgrundlage dient. Diese Freiheit entsteht folglich im gemeinsamen Agieren. Der Philosoph Ottfried Höffe beispielsweise sieht Freiheit als Verhandlungssache in einer Gesellschaft an, die immer wieder neu festgelegt und in spezifischen Situationen neu verhandelt werden muss. Alexander Kluge begreift Freiheit als individuellen und kollektiven Lernprozess. In aktuellen philosophischen Positionen wird deutlich, dass dies ein erhebliches Maß an Toleranz im Umgang miteinander und mit unterschiedlichen Haltungen und Einschätzungen erforderlich macht.


Fast ebenso lang wie der Vortrag geriet dann auch die von Michael Girke und Museumsleiterin Sonja Langkafel moderierte Diskussion um die Freiheit des Einzelnen und ihre Grenzen, die sich vor allem an der aktuellen pandemischen Situation aufhängte. In der Diskussion wurde deutlich, dass die beteiligten Teilnehmer die pandemiebedingten Einschränkungen zum großen Teil als notwendige Belastung ansahen, die vielleicht bei einer basisdemokratischen Entscheidung tatsächlich gar nicht so weit abweichen würden. In vielen Stellungnahmen aber wurde auch deutlich, dass die Teilnehmer durchaus besorgt darauf schauten, dass die Maßnahmen nicht von allen gleichermaßen mitgetragen werden. Und auch, dass die vielfach sichtbare Unzufriedenheit, die sich in Ablehnung der Maßnahmen ausdrückt, sowohl die Bekämpfung der Pandemie, vor allem aber auch den Umgang miteinander auf Dauer schwieriger machen könnte.


In einer Hinsicht waren sich die Teilnehmer einig: Das Format soll in dieser Form weitergeführt werden, solange die Pandemie Präsenz-Veranstaltungen im Museum nicht zulässt. Das Thema der nächsten Philosophier-Lust online am 4. März um 19 Uhr wird die Renaissance sein.

Weitere Informationen zu Inhalt und Anmeldung gibt es bei den Veranstaltern: vhsimkreisherford.de und poeppelmannhaus.de

 

 

 

 

 

Technik im Städtischen Museum, die Menschen zum Philosophieren im virtuellen Raum zusammenholt. Foto: Sonja Voss

 Technik im Städtischen Museum, die Menschen zum Philosophieren im virtuellen Raum zusammenholt.

Foto: Sonja Voss